Sportive LE Background

Bushido-Freefight-Team

Free Fight, Mixed Fight oder Mixed martial arts (kurz: MMA) – eine Sportart und viele Bezeichnungen. Gleichgültig, wie man es auch nennen mag, eines steht fest. Es handelt sich hierbei wohl um eine der härtesten, extremsten und umfangreichsten Kampfsportarten auf unserem Erdenrund. Der Laie unter uns wird sich dabei sicherlich die Frage stellen, ob es sich noch um Sport oder nur noch um pure Gewalt und Aggression handelt. Zugegeben, die Grenzen sind fließend. Doch hinter diesen Szenarien verbirgt sich weit mehr, als der erste Blick vermuten lässt.

 Für alle, die sich an dieser Stelle noch nichts unter Free Fight vorstellen können, gibt es jetzt
noch einmal ein paar Infos zur Aufstockung des sportlichen Allgemeinwissens. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich bei dieser Sportart um einen Mix der unterschiedlichsten Kampfkünste. Elemente bzw. Techniken aus dem Boxen, Ringen, Judo, Thaiboxen, Kung Fu und weiterem werden in einer Sportart vereint.

Das heißt, alle möglichen Kampfdistanzen, das Treten, das Schlagen, das Clinchen, das Werfen und der Bodenkampf sind den beiden Gegnern erlaubt.
Der Austragungsort eines Kampfes ist der Ring, meist auch ein Käfig mit achteckiger Grundfläche (daher auch Octagon genannt). Das Free steht
in unserem Falle für fast uneingeschränkte Handlungsfähigkeit.
Im Vergleich zu anderen Sportarten ist das Besondere am Mixed Fight, dass es nur ein sehr übersichtliches Regelwerk gibt.
Der Gerechtigkeit halber werden die Sportler beispielsweise in Gewichtsklassen eingeteilt. Ferner dienen weitere Regeln dem Schutz  der Kämpfer. Man mag es nicht glauben, die Sicherheit hat trotz allem oberste Priorität. Folglich darf zum Beispiel nicht gebissen, an den Haaren gezogen oder in die Genitalien des Kontrahenten getreten werden. Ein Kampf dauert im Durchschnitt nur wenige Minuten oder gar Sekunden. Beendet wird er durch ein K.O. oder die Aufgabe eines der Gegner.

Sieht man einmal von der Tatsache ab, dass es den freien, uneingeschränkten Kampf seit Anbeginn der Menschheit gibt, so liegt der Ursprung der MMA als Sportart vor allem in Brasilien und den USA. Mit dem Vale Tudo entwickelte sich um das Jahr 1925 ein gänzlich regelloser Kampfsport, in dem per definitionem (bras. Vale ‚geht’; Tudo ‚alles’)  absolut alles möglich war. Ziel der damals ausgetragenen Wettkämpfe war es, die verschiedenen Kampfsportarten gegeneinander aufzuwerten und herauszufinden, welche die beste ist und welche die besten Kämpfer birgt. Im Laufe der Zeit etablierte sich ein formalisiertes Regelsystem und bestimmte Techniken wurden auf Grund ihrer Härte verboten. Wie wir den Free Fight heute kennen, liegen seine Wurzeln wohl in dem 1993 in den USA gegründeten UFC (Ultimate Fighting Championship), das dort bald einen höheren Status als das Boxen erreichte und von wo aus die Faszination schnell auch auf andere Teile der Erde überschwappte. Neben dem UFC ist weiterhin das Pride FC in Japan als eine der bekanntesten und professionellsten Veranstal-tungen überhaupt zu nennen. Darüber hinaus blieb auch Deutschland von der Euphorie nicht verschont und der Free Fight entwickelte sich hierzulande zusehends, wenn doch auch noch sehr im Untergrund, zum Publikumsmagneten.

Einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu leistete Marko Zschörner. Ihm haben wir es zu verdanken, dass sich der Free Fight auch am Leipziger Sporthimmel einen Platz verschaffte. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und einem neuen Kampfsport, der unterschiedlichste Elemente in sich vereint und  vor Vollkontakt nicht zurückschreckt, war er es, der um die Jahrtausendwende die MMA in unserer Stadt ins Leben gerufen hat und um sich eine Gruppe unterschiedlichster Kampfsportler etablierte:
das Bushido Fightteam. Wie „The Bulldog“ selbst haben alle Mitglieder in der Regel einen mehrjährigen Kampfsporthintergrund. Die Sparte reicht von Boxern und Ringern über Judokas bis hin zu Thaiboxern wie beispielsweise Christian LoRe, der auf eine bemerkenswerte siebenjährige Thaiboxerfahrung zurückblicken kann und der so freundlich war und uns im Gespräch einen Einblick in sein Leben und seinen Sport gewährt hat.

 Das Bewundernswerte an ihm ist zuallererst einmal, dass er keineswegs das Klischee eines hohlköpfigen Rowdys, das sich viele von uns schnell über einen Kampfsportler aufbauen, erfüllt: LoRe ist Jurastudent an der Universität Leipzig. Auch wenn es auf den ersten Blick kaum mit dem Free Fight zu vereinbaren scheint, bei dem die Kontrahenten hemmungslos aufeinander einschlagen,  lässt diese Tatsache doch mit Sicherheit auf einen Sinn für Menschlichkeit und Fairness schließen. Für ihn ist der Kampf ausschließlich Sport. Fest steht, dass der Sport viel von ihm und den anderen Fightern an Kraft und Können abverlangt und kein bloßes Aufeinandereinschlagen ist. Ziel ist es nicht, sich anschließend an das Training auf der Straße herumzuprügeln.

Fünf mal in der Woche heißt es Fitness, Kraft, Koordination, Sparring und Selbstverteidigung zu trainieren. Das erfordert hohes Engagement, äußerste Motivation und Konzentration. Schließlich steht bei einem Kampf viel auf dem Spiel. Einmal unkonzentriert kann üble Konsequenzen mit sich führen. Zum Glück ist das eher seltener der Fall und blaue Flecken, Schürf- und Platzwunden kommen auch in anderen Sportarten vor.

Wettkämpfe sind einmal im halben Jahr zu bewundern. Der Leipziger Austragungsort ist dabei der Kohlrabizirkus auf dem Alten Messegelände, den das Bushido Team für ihre Veranstaltungen anmietet und in Selbstorganisation mit den notwendigen Elementen wie dem unverzichtbaren Käfig ausbaut. Trotz der Tatsache, dass sich die Sportler in Leipzig bereits jetzt schon über einen Zuschauerandrang von rund 2500 bis 4000 Kampfbegeisterten bei einem Fight freuen können, strebt das Team um Marko Zschörner noch weit größere Popularität an. Ziel ist es, einen nationalen oder gar internationalen Verband des Free Fights zu gründen. Nur fehlen dazu heute noch ein entsprechendes Management und Sponsoren. Auch für vorhandene TV-Ambitionen stehen  leider der noch relativ verpönte Ruf und viele Vorurteile bezüglich Gewaltverherrlichung im Weg. Da heißt es für uns nur, abzuwarten und die Tendenzen zu beobachten. Wir wünschen den Free Fightern an dieser Stelle auf jeden Fall viel Erfolg dabei und bedanken uns bei Christian LoRe
für den tollen Einblick.

Ihre Kommentar