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Floorball-Weltmeisterschaft Herren:Berge versetzen

Vom 04. bis 11. Dezember findet in Finnland die mittlerweile 8. Weltmeisterschaft der Herren statt. In der Vorrunde trifft die Deutsche Nationalmannschaft auf Australien (Samstag, 04.12.2010, 13.00 Uhr), Estland (Sonntag, 05.12.2010, 14.00 Uhr) und Schweden (Dienstag, 07.12.2010, 15.00 Uhr). Das Team um Micael Svensson hat den zweiten Platz in der Gruppe und damit den Einzug ins WM-Viertelfinale im Visier. Sicher ist, dass das Spiel gegen Estland die alles entscheidende Partie sein wird. Vor der Anreise standen die Löwen-Akteure und MFBC Auswahlspieler Peter Dietel und Patrick Schmidt Rede und Antwort vor DEM Event 2010.
Das Interview führt Jennifer Thomas (JT):

JT: Hey Jungs, Gratulationen für die Nominierung gab es bereits genug, jetzt steht sie bevor: Die Herren- Weltmeisterschaft 2010 im Weltmeisterland Finnland! Aufgrund dessen, dass euer Team aus vielen im Ausland spielenden Legionären besteht, erfolgt die Anreise individuell. Wann geht euer Trip los, wo macht ihr Station?
Patrick: Wir haben keinen gemeinsamen Flug mehr erwischt, so dass Peter und ich getrennt anreisen. Via Zug geht es bereits heute Abend nach Berlin und ich versuche den Flieger um 21.25 Uhr nach Helsinki zu erwischen.
0.25 Uhr (nach deutscher Zeit 23.25 Uhr) fahre ich direkt weiter zum Hauptbahnhof, wo ich von einem Teamkollegen abgeholt werde und eine Nacht übernachten darf. Leider ist eine direkte Abholung vom Flughafen
nicht möglich gewesen.
Peter: Mit dem Zug fahre ich ebenfalls heute Abend nach Berlin, werde dort aber im A&O-Hostel [Sponsor des FVD] kostenlos übernachten können. 06.20 Uhr fliege ich dann nach Düsseldorf und im Anschluss direkt nach Helsinki. Olli Jokiranta [finnischer Gastspieler bei den MFBC Löwen Leipzig] ist bereits vorgefahren und holt mich dann vom Flughafen ab. Ich hoffe, ich bin pünktlich zum Mittagessen im Hotel. (lacht)
JT: Was für ein Trip! Da hoffen wir mal, dass euch die aktuellen Wetterumstände sicher und pünktlich ans Ziel bringen. Wir versinken ja schon hier im Winter mit bis zu minus 12 Grad in Leipzig, was für Temperaturen erwarten euch in Finnland und seid ihr gewappnet?
Patrick: Es wird dort definitiv noch kälter sein. Also Winterjacke und Skihose sind bereits eingepackt. Man weiß ja nie…
Peter: Helsinki wird uns mit ihrem Seewind und bitterkalten Temperaturen empfangen. Es herrscht das Gerücht von minus 22 Grad, aber es soll sich erwärmen. (schmunzelt skeptisch). Schneeballschlachten sind garantiert, aber gewappnet bin ich mit Sicherheit nicht – dafür ist der Koffer einfach viel zu klein.
JT: Mensch Patrick, da erscheinst du ja auch neben dem Feld fast in Goalie-Montur. Gib Peter bitte ein paar Sachen. (lacht) Ein Glücksbringer von der Familie, von Freunden und mit Sicherheit von der Freundin gab es aber sicher mit auf den Weg?!
Patrick: Von der Freundin gab es einen Plüschhund zur Erinnerung an zu Hause. Der soll Kraft geben für die Spiele.
Peter: Es gab ein megagroßes Paket Wärme und Glückwünsche, was ich wohl erst vor Ort öffnen werde. Aber einen neuen Rasierer gab es, damit ich auch immer gepflegt aussehe. (streicht sich lachend übers Gesicht)

JT: Frauen und Plüschtiere! Peter und Bartwuchs? Aber jetzt erklärt sich der viel zu kleine und zu volle Koffer. (zwinkert) Zurück zum Sport: Wie schon erwähnt, besteht euer Team größtenteils aus Spielern, die in den großen Floorball-Nationen – wie bspw. Schweden, Finnland und der Schweiz – auf Torejagd gehen. Fühlt man sich da ein wenig als Underdog? Wo seht ihr eure Stärken und eure Position im Team? Welche Erwartungen habt ihr an die WM?

Patrick: Ich sehe mich nicht als Underdog. Da es schon meine 6. WM ist, zähle ich mich eher zu den erfahrenen Spielern. Wir sind ein starkes Team mit großem Zusammenhalt, da werden alle gleich behandelt – egal wo du spielst. Klar möchte ich so gut wie jedes Spiel im Tor stehen wollen, aber es kann immer nur einen Torhüter geben. Aber wenn ich spiele, dann immer zu 100 Prozent. Ich will mit dem Team ins Viertelfinale einziehen und dort vielleicht eine Sensation schaffen, indem wir Tschechien [der vermeintliche Gegner] besiegen.
Peter: Ich stimme Patrick zu, auch wenn es erst meine 2. WM ist. Wir Bundesligaspieler machen einen wichtigen Teil der Mannschaft aus, das lässt uns der Trainerstab auch wissen. Natürlich steht man den Top- und Stammspielern in einigen Fähigkeiten weit nach, aber es gibt auch Fähigkeiten, die man eben doch besser beherrscht. Die Bundesliga darf man nicht mit dem internationalen Parkett vergleichen. International kann man noch überraschen, da kennt einen keiner und man kann irgendwie befreiter aufspielen. Unsere Stammspieler sind da schon etwas bekannter. (zwinkert) Ich werde mich so gut wie möglich an die taktischen Vorgaben des Trainers halten und will mich so gut wie möglich in meine Reihe integrieren, so dass ich im Slot [Torraum] gut anspielbar bin – insbesondere durch die starken Außenspieler wie Holtz & Co. Dort darf ich eben bloß nicht lange fackeln… (lacht verschmitzt) Aber ich will einfach dieses Event und das Niveau genießen und motiviert zeigen, dass ich zu Recht mitgefahren bin. Ich will einfach meine beste Leistung zeigen und einiges mit nach Hause nehmen…

JT: Ehrgeizig wie immer, so kennen wir euch. Aber leider steht dem Sportlichen auch die traurige Gewissheit gegenüber, dass dieses Event mit hohem finanziellem Eigenanteil zu bewerkstelligen ist. Ist dem noch so oder gab es mittlerweile Entlastungen?
Patrick: 900,00 Euro sind es leider schon noch, wenn man die 550,00 Euro vor Ort, die An- und Heimreise und ein wenig Taschengeld mit einkalkuliert. Der Verein gab ein wenig finanzielle Unterstützung dazu, dafür ein großes Dankeschön.
Peter: Die ursprünglichen Kosten von 800,00 Euro konnten durch die Bemühungen des Verbandes tatsächlich auf 550,00 Euro gedrückt werden. Natürlich kommt noch der Flug dazu, aber es gab gute Angebote. Dem 4-Sterne- Hotel in super Lage und dem teuren finnischen Essen geschuldet, ist es nun mal nicht zu ändern. [Durch die Buchung der durch den Veranstalter vorgeschlagenen Hotels ist der notwendige Bus-Shuttle zwischen Unterkunft und Spielstätten inklusive.] Umstände und Komfort sind aber schon angemessen für eine Nationalmannschaft. Persönlich konnte ich aber durch den Verein und besonders durch die Hilfe meiner Familie auf viele kleine Sponsoren zurückgreifen, die meine Reise fast komplett abdecken. Auch ein großes Dankeschön an dieser Stelle!

JT: Ein Wermutstropfen, dass u. a. andere Nationen weitaus mehr zahlen müssen und die Bemühungen nach Unterstützern doch noch Früchte getragen haben. Im November fand noch einmal ein Trainingslager in Dänemark statt mit jeweils zwei Spielen. Gaben die Partien noch einmal den letzten Schliff, ist das Team gut vorbereitet und wie ist die Stimmung?
Patrick: Den letzten Schliff gab es auf jeden Fall, weil dort schon die Reihen einigermaßen zusammengestellt wurden. Die Stimmung im Team ist hervorragend und alle freuen sich auf die beste Floorball-WM aller Zeiten. Ich bin stolz darauf, dabei zu sein!

Peter: Wir haben zwar das erste Spiel mit 10:4 verloren, aber der Sieg im Rückspiel gab uns viel Selbstvertrauen.
Dennoch zeigte die Niederlage, dass wir taktisch noch nicht clever genug agiert haben. Klar, kann nicht alles wie im Lehrbuch auf Anhieb funktionieren, aber eine WM-Woche ist definitiv länger als solch ein Wochenende. Die Vorbereitungen auf die Spiele werden hier noch präziser verlaufen. Die Stimmung ist auf jeden Fall super und auch die Pläne für Spaß und Unterhaltung sind bereits geschmiedet.

JT: In der Gruppenphase erwartet euch mit Australien ein sicherlich schlagbarer Gegner. Zum Glück trefft ihr auf diesen gleich zu Beginn, bevor euch Estland und Vize-Weltmeister Schweden gegenüber stehen. Welche Chancen rechnet ihr euch in den Gruppenpartien aus, was ist das Ziel der Mannschaft?
Patrick: Das erste Spiel einer WM ist immer das schwierigste, man muss erst einmal ins Turnier kommen. Keiner kennt Australien, aber trotzdem müssen wir das Spiel klar gewinnen. Estland wird das entscheidende Spiel um Platz 2 in der Gruppe. Wir haben einen sehr guten Kader, aber es wird eine sehr enge Kiste mit dem hoffentlich besseren Ende für uns. Schweden ist klarer Favorit – hier gilt es alles zu geben, um die Niederlage so gering wie möglich zu halten.
Peter: Australien muss geschlagen werden und das am besten hoch! Die Spiele könnten eigentlich nicht besser liegen, denn der Anspruch steigt von Spiel zu Spiel. Am Sonntag gegen Estland muss alles raus geholt werden. Gegen Estland ist es wie gegen Dänemark: Du gewinnst vielleicht an einem Tag eins von zehn Spielen und diesen Tag müssen wir erwischen! Das Schweden-Spiel kann man eigentlich nur genießen und bei der Aufmerksamkeit, die weltweit auf einem liegt, über sich hinaus wachsen. Niemand erwartet hier in dieser Partie etwas von uns, wir können nur überraschen.

JT: Gab es bereits Vergleiche gegen Estland und Schweden und habt ihr die persönlich mit erlebt? Was könnte sich eurer Meinung nach bis heute verändert haben?
Patrick: Ich habe noch nie gegen Estland gespielt und kenne nur die Ergebnisse anderer Nationen. Gegen die „TreKronors“ haben wir schon dreimal gespielt. 2002 in der Schweiz haben wir noch 25:0 verloren, 2004 ebenfalls in Finnland gab es „nur“ eine 18:1-Niederlage und im letzten Aufeinandertreffen 2006 in Schweden gab es ein 15:1. Wir steigern uns! (lacht) Im letzten Aufeinandertreffen habe ich einen Penalty [Strafstoß] gegen Superstar Daniel Calebsson gehalten, mein persönliches Highlight bis heute. Aber wir haben uns taktisch, spielerisch und mental verbessert. Auch enge Spiele können wir für uns entscheiden und fallen nicht in ein Loch, wenn wir zu schnell in Rückstand geraten.
Peter: Für mich ist es die erste Begegnung mit diesen Teams, aber man hat schon manchmal was von diesen ominösen Schweden gehört… (lacht herausfordernd)

JT: Die Begegnung der besonderen Art wird es auf jeden Fall. Solltet ihr den Einzug ins Viertelfinale schaffen, welcher Gegner könnte euch gegenüberstehen?
Patrick: Wir werden wohl auf die Tschechen treffen. Sie müssten in ihrer Gruppenphase durchmarschieren.
Peter: Das Viertelfinale ist unser Ziel und es wäre ein unglaubliches Ereignis für Floorball-Deutschland, wenn das Team diese Hürde schafft. Danach warten wohl die Tschechen. Aber wie wir bereits in Testspielen erfahren konnten, spielen die zwar einige Level höher, doch wenn alles stimmt, können wir auch da ein achtbares Ergebnis abliefern.

JT: Werdet ihr etwas Zeit haben, um Finnland abseits der WM zu erleben?
Beide: Helsinki wird sicherlich ein bisschen unsicher gemacht werden und ist es zu kalt, steht die PlayStation parat. Am Montag werden wir in der Deutschen Botschaft zum Abendessen erwartet und ansonsten ertönen schon Schlagworte wie Sauna, Players Party und Finaltickets. Das wird schon aufregend genug!

JT: Zocken auf ganzer Linie – wer wird Weltmeister 2010, was sind eure Top 5?
Patrick: Schweden, Finnland, Schweiz, Tschechien, WIR!
Peter: Finnland hat aktuell den besten Kader der Welt, die Mannschaft ist unglaublich homogen und hat die torgefährlicheren Spieler in ihren Reihen. Aber Schweden ist und bleibt Schweden. (seufzt) Dennoch: Finnland, Tschechien, Schweden, Schweiz, Norwegen.

JT: Abschließend bitte noch ein paar Worte an die Fans und was ihr sonst noch los werden wollt!
Patrick: Drückt uns die Daumen, dass wir unser Ziel – den Einzug ins Viertelfinale – erreichen. Schon jetzt ein Dankeschön an all die Fans, die den weiten Weg nach Finnland in die legendäre Hartwall Arena und Energiea Arena auf sich nehmen.
Peter: Ich hoffe, dass wir den Fans zahlreiche Gründe liefern können, sich mit uns zu freuen und dass Floorball-Deutschland geschlossen hinter uns steht! Eine Unterstützung vor Ort wäre traumhaft, aber aufgrund der Entfernung ist dies verständlicherweise schwer möglich. Aber via Livestream gibt es viel zu sehen. Nichtsdestotrotz würde ich mir wünschen, dass Floorball die Presse anlässlich dieser WM überflutet und die Leute ein Stück mehr auf den Sport aufmerksam werden!

JT: Jungs, das war ein umfang- und aufschlussreiches Interview – sicherlich wie es das WM-Programm für euch auch sein wird. Vielen Dank an euch, eine gute Reise, maximale Erfolge und kommt gesund wieder!

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