Sportive LE Background

Im Interview: Manfred Wiesinger (Präsident der L.E. Volleys)

Nach der Insolvenz des VC Leipzig übernahmen die LE Volleys im Sommer 2009 die Rolle der Leipziger Nummer 1 im Volleyball. Gleich im ersten Jahr spielte das Team von Trainer in der Zweiten Bundesliga trotz großer Sparzwänge eine überraschend starke Saison. SachsenSonntag sprach mit dem Präsidenten Manfred Wiesinger über die Perspektiven, die Ziele und das Innenleben des jungen Vereins.

Frage: Vor reichlich drei Monaten überbrachten Sie Fans und Spielern die Hiobsbotschaft, dass die LE Volleys in der kommenden Saison aus finanziellen Gründen nicht in der Zweiten Bundesliga antreten. Einige Wochen später sagten Sie, es geht doch in der Zweiten Liga weiter. Wie ist der aktuelle Stand?

Manfred Wiesinger: „Momentan haben wir 50.000 Euro zusammen, ähnlich wie in der vergangenen Saison – das bedeutet, wir spielen weiter in der Zweiten Bundesliga. Die Gespräche mit potentiellen Sponsoren laufen aber natürlich weiter, schließlich muss Sponsorenakquise ganzjährig laufen. Als wir damals die Lizenz nicht beantragen wollten, war uns kurz zuvor ein wichtiger Sponsor abgesprungen. Damit hätte die Zweitliga-Lizenz den gesamten Verein gefährdet.“

Ist mit dem aktuellen Etat ein ähnlich starkes Abschneiden wie in der vergangenen Saison möglich?

„Das glaube ich nicht! Die vergangene Saison war ein Tanz auf der Rasierklinge. Der Kader war sehr klein, da nichts schief gehen können. Wir brauchen definitiv noch Verstärkungen in allen Bereichen, die allerdings von den finanziellen Mitteln abhängen, die wir in den nächsten Wochen und Monaten noch akquirieren können. Die Suche nach neuen Spielern läuft bereits auf Hochtouren. Derzeit haben wir neun Spieler, der ideale Kader sind 12 bis 14 Spieler. Fakt ist: Steffen Busse wird in der nächsten Saison nicht mehr auf dem Feld stehen. Wir wollen natürlich auch in diesem Jahr wieder oben mitspielen – der Trainer hat Platz 1 bis 3 ausgegeben.“

Wie haben die Spieler den Schwebezustand im April aufgenommen?

„Sie haben sich einstimmig zum Verein bekannt, das war toll. Schon bevor sie wussten, in welcher Liga wir in der nächsten Saison spielen und welches Geld sie verdienen, haben alle Spieler versprochen, dass sie bleiben. Das war ein eindeutiges Signal, dass auch für Sponsoren und Fans ein eindeutiges Zeichen war. Das ist für uns auch ein deutlicher Beweis, dass wir das Team vor einem Jahr mit unseren bescheidenen Mitteln goldrichtig zusammengesetzt haben.“

Was hat das Team in der vergangenen Saison so stark gemacht?

„Ganz klar der Teamgeist. Die vielen jungen Spieler halten unheimlich stark zusammen, auch außerhalb des Spielfeldes. Im gesamten Verein herrscht ein familiäres Miteinander, und trotzdem gibt es eine klare Hierarchie. Probleme werden zuerst in der Kabine besprochen. Aber das Wichtigste ist sicherlich, dass Spieler und Trainer von Anfang an wussten, was mit unseren finanziellen Mitteln möglich ist. Unsere Ehrlichkeit kommt an.“

Das Zweitliga-Team ist das Aushängeschild der L.E.-Volleys. Wie ist es eigentlich um den Nachwuchs bestellt?

„Sehr gut, auch wenn die Nachwuchsarbeit in den vergangenen Wochen etwas zu kurz gekommen ist, als es um die Rettung des Vereins gegangen ist. Momentan laufen die Sichtungen in den verschiedenen Leipziger Grundschulen. Außerdem haben wir in den letzten Wochen die ersten Erfolge gefeiert, und sind damit unseren Status als Landesstützpunkt gerecht geworden. Die U20 hat bei der Deutschen Meisterschaft die Bronzemedaille gewonnen, die U19, U18 und U17 sind im Juni jeweils Landesmeister im Beachvolleyball geworden.“

Wie sehen die Perspektiven der L.E.-Volleys aus?

„Wir müssen uns in den nächsten Monaten weiter professionalisieren, nur so können wir uns als Verein festigen und auch weitere Sponsoren für uns begeistern. Momentan sind wir immer noch in der Selbstfindungsphase – nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im Umfeld, in dem unheimlich viele ehrenamtliche Helfer tätig sind. Irgendwann wollen wir natürlich die Erste Bundesliga nach Leipzig zurückholen, aber mit unserem aktuellen Etat ist das noch weit weg. Die Erste Liga gehen wir nur dann an, wenn wir sicher sind, dass wir dort auch mithalten können. Nur gegen den Abstieg zu spielen, ist für uns nicht sinnvoll – weder für uns, noch für die Fans oder die Sponsoren. Es muss einfach passen!“

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