Sportive LE Background

Interview: HC-Leipzig Manager Kay-Sven Hähner

20 Meistertitel, 7 Pokalsiege, vier Europapokalsiege: Die Handballerinnen des HC Leipzig sind seit vielen Jahren das größte sportliche Aushängeschild der Stadt. Nach dem Gewinn ihres 20. Meistertitels und den starken Auftritten in der Champions League, wo das Team erstmals in der Vereinsgeschichte die Runde der besten acht erreichte, wurden die Handballerinnen zur Mannschaft des Jahres in Sachsen und in Leipzig gekürt. Bereits seit 13 Jahren leitet Manager Kay-Sven Hähner die Geschicke des Clubs, führte ihn in die Beletage des europäischen Frauen-Handballs. Sportive LE traf sich mit dem „Macher“ und sprach mit ihm über aktuelle Entwicklungen, Erfolgsgeheimnisse und glänzende Perspektiven.

Wie sind Sie mit der laufenden Saison zufrieden?

„Das Team hat bislang in dieser Saison einen guten Job gemacht. In der Meisterschaft und auch in der Champions League haben die Mädels gezeigt, dass sie gegen jedes Team der Welt gewinnen können. Auch wenn wir in der Champions-League-Hauptrunde alle sechs Spiele verloren haben, war zumindest in den ersten Partien viel drin. Ein großer Wermutstropfen ist allerdings das Ausscheiden im Pokal im Viertelfinale. Wir wollten unbedingt zur Endrunde nach Riesa, das hat leider wieder nicht geklappt. Deshalb setzen wir jetzt voll auf die Titelverteidigung in der Meisterschaft.“

Wie stark ist die Bundesliga im Vergleich zu den anderen europäischen Ligen einzuschätzen?

„In der Breite ist die Bundesliga definitiv stärker als die hochgelobte dänische Liga, die als beste Liga der Welt gilt. Leverkusen und wir würden dort in den Top 5 mitspielen. Die dänische Liga hat einiges von seiner großen Dominanz verloren. Außerdem ist der Zuschauerzuspruch in der Bundesliga größer als in Dänemark.“

Als der junge dänische Trainer Heine Jensen im Sommer 2008 Nachfolger von Morten Arvidsson wurde, war die Skepsis bei Fans und Experten groß. War es aus Ihrer kein Risiko auf einen so unerfahrenen Coach zu setzen?

„Wenn man in unsere Vergangenheit schaut, sieht man, dass das Alter bei uns überhaupt keine Rolle spielt. Deshalb war es auch kein Risiko. Schließlich wussten wir schon damals, was Heine trotz seines jungen Alters als Trainer drauf hat. Das hat er schließlich bereits in seiner Zeit als Trainer bei unserem Kooperationspartner Halle-Neustadt und als Co-Trainer bei uns bewiesen. Deshalb war er damals auch unsere erste Wahl. Das die Entscheidung nicht ganz falsch war, hat das Team mit dem Meistertitel deutlich gezeigt.“

Andere Leipziger Vereine kämpfen in den Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise um ihre Existenz, da sind sportliche Erfolge weit weg. Am HCL scheint diese Krise vorbeizugehen, oder täuscht dieser Eindruck?

„Der täuscht gewaltig! Auch für uns ist es nicht einfach, diese Krise geht an keinem Verein spurlos vorbei. Auch wir kämpfen an allen Fronten um jeden Euro. Dass wir dennoch gut aufgestellt sind, haben wir uns in den letzten Jahren hart erarbeitet. Anderen Vereinen geht es definitiv schlechter als uns, deshalb will ich auch nicht jammern. Viele Vereine schimpfen auf die Stadt. Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn wir fair mit der Stadt umgehen, geht die Stadt auch fair mit uns um. Allerdings bekommen wir dafür auch nicht mehr Geld!“

Was ist das Erfolgsgeheimnis des HCL?

„Ich glaube, wir machen einfach einen guten Job, und haben damit auch Erfolg. Deswegen kommen die Leute auch zu uns. Immerhin haben wir europaweit auch die meisten Zuschauer. Das macht uns natürlich unheimlich stolz, aber wir lehnen uns nie zurück. Schließlich muss man sich den Erfolg immer wieder neu erkämpfen. Allerdings haben wir auch ein großes Problem.“

Welches?

„Das größte Problem ist die Hallensituation. Das wir beim ersten Hauptrundenspiel der Champions-League gegen Larvik sogar nach Dessau ausweichen mussten, ist ein echtes Armutszeugnis für die Stadt. Außerdem hat uns diese Aktion viel Geld und jede Menge Aufwand gekostet. Deshalb sehnen wir den Bau des Sportpalastes auf dem Alten Messegelände herbei, denn so kann es nicht weitergehen.“

Wie ist dabei der aktuelle Stand?

„Es gibt noch nichts Konkretes. Aber alle kämpfen mit, um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Der Sportausschuss der Stadt steht ebenfalls voll hinter dem Projekt. Wenn alles perfekt funktioniert, können wir Ende 2011 in der neuen Halle spielen. Damit alles klappt, sind wir aber auch abhängig vom Land, private Investoren sind bereits da.“

Der HCL ist auch als Ausbildungsverein bekannt. Immer wieder schaffen junge Talente den Sprung in die Bundesliga-Mannschaft. Wie ist es momentan um den HCL-Nachwuchs bestellt?

„Die Sichtung neuer talentierter Mädels wird immer schwieriger, aber wir sind immer noch sehr zufrieden. Zuletzt hat Luisa Schulze den Sprung nach ganz oben geschafft. Unser Ziel ist es, jedes Jahr ein bis zwei Talente nach oben zu holen. Das ist natürlich nicht immer einfach, weil der Konkurrenzkampf bei uns enorm ist. Bei anderen Bundesligisten würden viele Mädels sicherlich Stammspielerinnen sein. Deshalb müssen viele Talente von uns den Weg über Halle-Neustadt gehen, und hier in der Zweiten Liga auch durch das Zweitspielrecht Spielpraxis sammeln. Unsere Torhüterin Julia Plöger ist das aktuellste Beispiel, dass sich diese Kooperation mit Halle in den vergangenen Jahren bezahlt gemacht hat.“

Text/Fotos: Andreas Wendt

Ihre Kommentar