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Interview: HCL-Talent Susann Müller

Alles auf die »22« (Dezember 2008)

Hannelore Zober, Christina Rost, Grit Jurack. Das sind nur einige klangvolle Namen der Liste von deutschen Handballerinnen, die in Leipzig zum Prädikat »Weltklasse« gereift sind. Auf dem besten Weg diese Liste fortzuführen ist die frisch gebackene Junioren-Weltmeisterin Susann Müller vom HC Leipzig. Schon längst hat sich die erst 20-jahrige durch ihre beeindruckenden Leistungen zu einer tragenden Säule im Spiel des Leipziger Elite-Clubs entwickelt.

 Mit sieben Jahren begann die geborene Saalfelderin bei ihrem Heimatverein, dem 1.SSV Saalfeld, ihre Handball-Laufbahn. 2003 wechselte das Rückraum-Ass in den Nachwuchs des HCL und geht nun seit drei Jahren für die erste Mannschaft erfolgreich auf Tore- und Titeljagd. Am 18. Oktober 2007 gab sie im Spiel gegen Japan ihr Debüt im Dress der deutschen Nationalmannschaft. In Sportive-LE spricht das Leipziger Ausnahmetalent über verpasste Olympia-Chancen, steigenden Erwartungsdruck und Zukunftsträume…
Susi, du bist 2008 deutsche Pokalsiegerin, U-20 Weltmeisterin und mit der Junioren-Nationalmannschaft deutsche Sportlerin des Jahres geworden. Was muss die nächsten Wochen noch passieren um ein erfolgreiches Jahr in deiner noch jungen Handballkarriere perfekt ausklingen zu lassen?
Zuerst mal möchte ich mit dem HCL die nächsten Spiele gewinnen und die Tabellenführung festigen. Ein Highlight ist sicher noch die Europameisterschaft in Mazedonien im Dezember. Ich würde mich natürlich riesig freuen da teilnehmen zu dürfen.
An Mazedonien hast du ja noch gute Erinnerungen. Dort bist du im August U20-Weltmeisterin geworden. Welche Eindrücke sind bei dir von diesem Turnier besonders hängen geblieben?
Eigentlich waren wir ja ne ganz schöne Chaos-Truppe. Auf der einen Seite hatten wir im Laufe des Turniers Spiele, wie z.B. gegen Montenegro, bei denen wir uns einen riesigen Vorsprung noch aus der Hand nehmen ließen. Sind dann auch zugegeben eher glücklich ins Finale eingezogen. Auf der anderen Seite konnten wir uns gerade im Finale gegen die Favoriten aus Dänemark, in einer aussichtslosen Situation noch mal so straffen und das Ding noch drehen. Alles in allem war es aber eine tolle Teamleistung, die mich sehr geprägt hat.

Fast zeitgleich zur U20-WM fanden die Olympischen Spiele in Peking statt. Bundestrainer Armin Emrich hätte dich auch gern im Team der A-Nationalmannschaft gehabt. Warum hast du dich dagegen entschieden?
Ich habe mich einfach dafür entschieden als Führungsspielerin bei einem internationalen Turnier teilzunehmen, anstatt in Peking vielleicht nur auf der Bank zu sitzen und nicht allzu viel zum Erfolg beitragen zu können. Ich glaube das hat meiner sportlichen Entwicklung mehr geholfen.

Du hast also den Traum eines jeden Sportlers sausen lassen um dich persönlich weiter zu entwickeln. Respekt!
Ja, viele Leute haben sich an den Kopf gegriffen und das überhaupt nicht verstanden. Vielleicht auch verständlich. Ich bereue es jedenfalls nicht. Die Junioren-WM war ein riesiges Erlebnis was mich weitergebracht hat. Ich hoffe natürlich noch einmal die Chance zu bekommen bei Olympia teilnehmen zu können, am besten schon in 4 Jahren in London.

Mit 20 Jahren  bist du eine der jüngsten Spielerinnen im Kader des HCL, und dennoch schon eine feste Größe. Siehst du dich selbst schon als Leistungsträgerin?
Ich denke, dass ich in den letzten 3 Jahren, in denen ich jetzt dabei bin, schon einiges an Erfahrung sammeln konnte. Ich glaube ich kann in diese Rolle reinschlüpfen, muss dazu aber noch kontinuierlicher gut spielen.

Wächst so langsam die Erwartungshaltung an deine Leistung?
Der Druck wird schon größer. Wie gesagt, bin ja jetzt schon 3 Jahre dabei und kein Neuling mehr. Es ist noch oft so, dass ich noch nicht ganz das erfüllen kann, was ich und andere von mir verlangen. Ich merke schon, wie vor allem mein eigener Leistungsdruck mich manchmal hemmt. Es ist es nicht so einfach da die richtige Waage zu finden.

 An welchen Spielerinnen orientierst du dich?
Im Verein hilft mir Mette Ommundsen als sehr erfahrene Spielerin schon weiter, vor allem mental. Auch von Ulrike Stange lerne ich sehr viel. Mein Vorbild ist Grit Jurack. Eine klasse Handballerin und tollevPersönlichkeit die schon eine ganze Menge erreicht hat.
Wie und wo siehst du deine nähere sportliche Zukunft? Welche Ziele hast du?
Ich möchte unbedingt mit dem HCL deutscher Meister werden. Ich fühl mich sehr wohl in Leipzig. Der Club ist das Non Plus Ultra im deutschen Handball. Keine andere Stadt hat so ein gutes Umfeld und so tolle Fans wie wir. Hier will ich mich entwickeln und natürlich so viele Titel wie möglich sammeln.

Und was ist mit später? Träumst du von einem Wechsel in eine vieleicht finanziell viel interessantere ausländische Liga?
Klar ist es ein Traum von mir später einmal in Dänemark zu spielen. Nicht wegen der Kohle. Für mich zählt die sportliche Herausforderung. Die dänische Liga ist die beste der Welt. Dort hat Frauenhandball einen ganz anderen Stellenwert. Mein Ziel ist es einfach mich zu einer richtig guten Handballerin zu entwickeln und in der besten Liga zu spielen.

Machst du dir schon Gedanken was nach deiner Handball-Karriere kommt?
Ehrlich gesagt nicht. Ich versuche mich zur Zeit nur auf meinen Sport zu konzentrieren. Nächstes Jahr fange ich sicher an zu studieren. Was, weiß ich noch nicht. Da bin ich noch hin und her gerissen.

Was macht Susann Müller wenn sie nicht gerade Handball spielt?
Meinen sportlichen Ausgleich suche ich bei unserer Physiotherapeutin und meiner guten Freundin Nadine Schmitt. Sie behandelt nicht nur meine körperlichen Problemchen. Ihr kann ich alles anvertrauen. Wenn ich Zeit finde mach ich auch gern anderen Sport wie Badminton oder man glaubt es kaum, aber Fußball spiel ich auch gern. Sonst geh ich gern shoppen und bummel einfach durch die tolle Leipziger Innenstadt.

Interview: (dl)

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