Sportive LE Background

Interview: Sportbürgermeister Heiko Rosenthal

Das Sportjahr 2009 hatte aus Leipziger Sicht jede Menge Höhepunkte, aber auch einige Enttäuschungen zu bieten. Andreas Wendt sprach mit Sportbürgermeister Heiko Rosenthal über das Jahr 2009 und die Zukunft des Leipziger Sports.

Frage: Herr Rosenthal, wie fällt Ihr Fazit für das Leipziger Sportjahr 2009 aus?
Heiko Rosenthal: „Insgesamt kann ich trotz aller Probleme ein sehr positives Fazit für das abgelaufene Jahr ziehen. Die vielen Sportvereine dieser Stadt haben in den letzten Monaten weiter steigende Mitgliederzahlen gemeldet. Außerdem haben wir im vergangenen Jahr das Sportprogramm 2015 auf den Weg gebracht, ein ganz wichtiges Konzept für die Zukunft des Sports, in dem insgesamt 30 Millionen für die Sportinfrastruktur eingeplant sind. Aber wir haben natürlich auch noch viele Baustellen.“

Frage: VCL, Blue Lions, FC Sachsen, BBVL – das Jahr 2009 war auch geprägt von Insolvenzen und Fast-Insolvenzen bekannter Leipziger Sportvereine. Viele Menschen sagen, das Prädikat „Sportstadt Leipzig“ ist längst überholt. Was sagen Sie als verantwortlicher Bürgermeister: Gibt es die „Sportstadt Leipzig“ noch?

„Der Leipziger Sport ist viel mehr als die öffentlichkeitwirksamen Mannschaftssportarten, die im Jahr 2009 von Insolvenzen und finanziellen Problemen betroffen waren. Diese sind ein Teil der umfangreichen Sportlandschaft in Leipzig. Insgesamt fließen im Jahr 2010 330.000 Euro mehr Zuschüsse an die Sportvereine und mehr als zehn Millionen Euro an Investitionen in die Sportinfrastruktur, so viel gab es noch nie. Das bedeutet, dass auch die Verwaltung dem Sport nachwievor eine große Bedeutung beimisst. Deshalb kann ich die Leute, die meinen, dass die Luft aus der Sportstadt Leipzig raus ist, nicht verstehen.“

Frage: Doch gerade die öffentlichkeitswirksamen Sportarten schreiben bis auf wenige Leuchttürme, wie den HCL, weniger durch sportliche Leistungen als vielmehr durch finanzielle Probleme deutschlandweite Schlagzeilen.
„Zum erfolgreichen Profiverein gehört neben Talent und guter konzeptioneller Vereinsführung natürlich auch das finanzielle Hinterland. Das gibt es in unserer Region nicht im ausreichenden Maße und macht uns aber nicht nur im Sport, sondern auch in vielen anderen Bereichen zu schaffen. Fußball ist wichtig für die geschundene Leipziger Fußball-Seele. Ich hoffe, dass sich aus RB Leipzig eine Erfolgsstory entwickelt. Allerdings muss RB auch in den kommenden Jahren in den höheren Ligen einen langen Atem beweisen. Ich hoffe, dass der 1. FC Lok und der FC Sachsen im Schatten von RB wieder wachsen.“

Frage: Ist weniger Geld nicht auch eine Chance für kreative Ideen?
„Auf jeden Fall ist das auch eine Chance für nachhaltige kreative Ideen. Das hat sich in Leipzig bewährt. Ein wunderbares Projekt aus dieser Sicht ist der Bau des neuen Bootshauses des Leipziger Kanu-Clubs. Dort ziehen wirklich alle an einem Strang für ein Ziel, das ist beeindruckend! Außerdem bekommen auch die ökologischen Komponenten im Sport eine immer größere Bedeutung. Dabei lassen sich die Ressorts Umwelt und Sport sehr gut miteinander verbinden.“

Frage: Für welche Sportarten schlägt Ihr eigenes Herz ganz besonders?

„Bei mir steht vor allem die Weiterentwicklung des Leichtathletik-Standortes ganz oben auf der Agenda. Außerdem ist die Entwicklung der Ruderer und Kanuten für den Sportstandort Leipzig entscheidend. Das sind aus meiner Sicht auch die Zugpferde für die Zukunft des Leipziger Sports. Die Erfolgsstory „HCL“ und die gute Entwicklung der LE Volleys sind für mich ebenfalls tolle Beispiele, dass die Sportstadt Leipzig lebt, auch der ATV 1845 ist immer eine Bank.“

Frage: Welche Vorhaben stehen im Jahr 2010 aus sportlicher Sicht ganz oben auf Ihrer Agenda?

„Ich hoffe, dass wir im Februar mit den Sportbädern der Stadt bei der Frage des finanziellen Mehrbedarfes zu einem Kompromiss kommen, mit dem alle Seiten leben können. Ein weiteres großes Projekt ist die neue Spielsporthalle auf dem Alten Messegelände. Auch hier wird hoffentlich in den nächsten Monaten eine Entscheidung fallen. Zudem sollen wie geplant 7,5 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II für Sportinvestitionen verbaut werden. Außerdem stehen wieder zahlreiche sportliche Höhepunkte auf dem Veranstaltungskalender. Das Highlight ist dabei sicherlich die Fecht-Europameisterschaft im Juli in der Arena.“

Interview: Andreas Wendt

Ihre Kommentar