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Jahn Regensburg stolpert in Leutzscher Hölle

Leidenschaftlicher Kampf und Last-Minute-Traumtor im DFB-Pokal

Am Sonntag empfing die BSG Chemie Leipzig in ihrer ersten Teilnahme im DFB-Pokal ihrer jungen Vereinsgeschichte am Sonntag den Zweitligisten SSV Jahn Regensburg. Als Oberligist war den Hausherren klar – sie werden der Underdog dieser Partie sein und treu dem Leutzscher Motto „Wer nicht Alles gibt, gibt Nichts“ mit Kampf, Leidenschaft und einer Portion Glück in das Spiel gehen müssen.

Kurz vor dem Anpfiff bestach der Norddamm im ausverkauften Alfred-Kunze-Sportpark mit einer schönen Choreographie und lautstarken Fangesangen, die unaufhörlich über die gesamte Spielzeit durch den Leipziger Stadtteil schallen sollten. Auch die mitgereisten Gästefans unterstützten ihre Favoritenmannschaft der Partie mit vollem Einsatz.

Regensburg begann das Spiel seriös und bestimmend. Dennoch konnte in den frühen Minuten Max Keßler eine schöne Flanke von rechts in den Strafraum bringen, welche Alexander Bury erreichte, welcher fünf Jahn-Spieler ausspielte und die erste große Chance für die Chemiker brachte, jedoch zu wenig Druck hinter den Ball bekam, der von Jahn-Keeper André Weis gehalten wurde. Dann folgte in der 20. Minute der Dämpfer für Jene, welche auf eine Sensation hofften: Der Regensburger Albion Vrenezi schlug eine lange Flanke vor das chemische Tor an den zweiten Pfosten, wo aus fünf Metern Julian-Maurice Derstroff zum 1:0 für den Favoriten einschob. Die Gäste tankten, anfangs überrascht vom Leutzscher hohen Pressing und Selbstbewusstsein, weiter Selbstvertrauen, was in einem tückischen Weitschuss vom Torschützen Derstroff in der 29. Spielminute belohnt wurde. Jedoch parierte der Schlussmann der BSG, Julien Latendresse-Levesque, welcher auch in der 33. und 46. Minute gute Chancen der Gegner verhinderte. Beide Mannschaften gingen mit dem Halbzeitpfiff nach hohem Einsatz in die Kabinen.

Die zweite Halbzeit begann merklich auf Augenhöhe mit vereinzelten Abschlüssen für beide Teams. Chemie-Trainer Dietmar Demuth griff in der 65. Spielminute zu einem Doppelwechsel, brachte Florian Schmidt für Max Keßler und den Stürmer Phillipp Wendt für Daniel Heinze. Sein Offensivwechsel sollte sich als Kunstgriff entpuppen, denn Wendt schoss drei Minuten später den nun nicht unverdienten Ausgleich für Chemie Leipzig. Innenverteidiger Manuel Wajer eröffnete den Angriff, spielte auf Kai Druschky, der mit einem langen Ball Wendt bediente. Dieser setzte sich durch und überwandt den herauseilenden Regensburger Hüter mit einem Tunnel zum 1:1. Jetzt brannte die Leutzscher Hölle. Auf den Rängen gab es kein Halten mehr. Angetrieben vom 12. Mann bekamen die Leutzscher Kicker wieder einen spürbaren Auftrieb. Aber auch Jahn wurde engagierter, um eine Verlängerung zu vermeiden. In der 84. Minute sorgten die Gäste für einen Schockmoment auf den grün-weißen Rängen, als Andreas Geipl abzog, aber am Pfosten scheiterte. Eine Minute nach regulärer Spielzeit kam es zum magischen Moment dieses Spiels. Alexander Bury leitete den Kopf auf Kai Druschky weiter, der den Ball perfekt runternahm und mit seinem schwachen Fuß voll abzog und mit einem Traumtor die Sensation zum 2:1 aus Leipziger Sicht perfekt machte. Das Regensburger Team um Trainer Achim Beierlorzer gab noch einmal Alles, konnte aber bis zum erlösenden Schlusspfiff durch Schiedrichter Tobias Reichel den Spielstand nicht mehr ausgleichen.

Der besonders auch aus finanzieller Sicht ansprechende Sieg gegen einen haushohen Favoriten beschert der BSG Chemie den Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals, während nun alle Leutzscher gespannt auf die Auslosung am Sonntag blicken. Am 1. September wartet das nächste Spiel der Oberliga auf die Herren, wobei es bis dahin bestimmt noch eine Menge zu feiern und Glückwünsche für das kleine Wunder von Leutzsch zu erhalten gilt.

Text: Mirko Altmann

Bild: Christopher Zenker