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Interview: Stefan Kretzschmar

„Kretzsche“ will mit Leipzig in die Bundesliga

Er wurde 1973 in Leipzig geboren, begann hier mit sechs Jahren mit dem Handball spielen, ging mit 12 Jahren in das Trainingszentrum nach Berlin und startete von hieraus eine große Karriere. Nach 413 Bundesliga- und 217 Länderspielen sowie zwei Jahren als Sportdirektor beim SC Magdeburg kommt Stefan Kretzschmar in seine Geburtsstadt zurück und will mithelfen, den hiesigen Handball aus dem Dornröschenschlaf in die Bundesliga zu führen. Der ehemalige Handball-Punk vom VfL Gummersbach und dem SC Magdeburg ist seit 1. Dezember Vorstandsmitglied der ambitionierten Oberliga-Handballer des SC DHfK Leipzig. „Kretzsche“ will das Projekt „Bundesliga“ in ganz Deutschland bekannt machen und Sponsoren für dieses Projekt begeistern. Andreas Wendt sprach mit dem früheren „Handball-Punk“.


Stefan, Sie haben jahrelang in der Bundesliga gespielt und waren zuletzt zwei Jahre Sportdirektor in Magdeburg. Warum kommen Sie jetzt zurück in die „Handballprovinz“ nach Leipzig?

Stefan Kretzschmar: „Nachdem es im August in Magdeburg nicht mehr weiter ging, hatte ich mehrere Angebote, auch aus der Bundesliga. Aber es gibt nur drei Städten, denen ich emotional verbunden bin – das sind Berlin, Magdeburg und Leipzig. Berlin braucht meine Hilfe nicht. Die haben den Schritt nach oben selbst geschafft. So blieb nur noch meine Geburtsstadt Leipzig.“
Wo sehen Sie genau ihre Aufgaben?
„Zuerst will ich dafür sorgen, dass das Projekt „Bundesliga n Leipzig“ in ganz Deutschland bekannt wird und dann will ich natürlich Türen zu neuen Sponsoren öffnen. Außerdem gibt es zwischen den Handballvereinen in und um Leipzig jede Menge Gräben, die wir gemeinsam zuschütten müssen. Das wird wahrscheinlich das Schwerste!“

Was ist im Leipziger Handball möglich?

„Leipzig hat ein riesiges Handball-Potenzial, mehr als andere Großstädte wie München oder Frankfurt/Main, wo ähnliche Projekte gescheitert sind. Es geht dabei nicht immer nur ums Geld, sondern um Leidenschaft und ein gutes Konzept. Leipzig hat auf jeden Fall gute Voraussetzungen für die Handball-Bundesliga, auch die Fans in der Region sind hungrig. Das Projekt „Bundesliga“ ist sehr ehrgeizig aber auf jeden Fall möglich.“
Warum unterstützen Sie gerade den SC DHfK?
„Mein Kumpels Björn Schultz und Eric Göthel hat mich angesprochen und mir von dem Projekt „Bundesliga“ beim SC DHfK erzählt. Das Konzept hat mich begeistert. Den endgültigen Ausschlag haben dann die guten Gespräche mit den handelnden Personen gegeben. Schon in meinen ersten Wochen hier hab ich gemerkt, dass hier alles sehr familiär zugeht. Das habe ich in den letzten Monaten in Magdeburg sehr vermisst.“

Wird man Sie noch einmal auf dem Spielfeld sehen?
„Sicher nicht! Nach meinem Karriereende habe ich bei ein paar Abschiedsspielen mitgespielt, da habe ich mich mehr blamiert als geholfen. Ich denke, ich muss nicht jeden Blödsinn mitmachen. Deshalb werde ich mich lieber um das Projekt selbst kümmern und das Spielen den Jungen überlassen.“

So pendeln derzeit jeden Tag von Magdeburg nach Leipzig. Wann werden Sie wieder ein „echter Leipziger“?

„Wir haben uns bereits einige Wohnungen in Leipzig angeschaut, diese Suche werden wir sicher im Sommer intensivieren. Außerdem steht noch der Wechsel von meiner Tochter auf das Gymnasium an. Da müssen wir sehen, ob das noch in Magdeburg passiert, oder in Leipzig. Auch da sind wir auf der Suche. Fakt ist, ich mache keine halben Sachen. Deshalb ist es wichtig, dass ich in den nächsten Jahren in Leipzig vor Ort bin.“

Sie waren schon während Ihrer aktiven Zeit sehr umtriebig, erregten mit verschiedenen Projekten Aufsehen. Welche Projekte laufen momentan?
„Seit September bin ich als Handball-Experte beim DSF im Einsatz. Gemeinsam mit meinem Job beim SC DHfK ist das momentan genug. Ich möchte auch noch Zeit für meine Familie haben. Schließlich bin ich in den letzten Jahren auch ein bisschen erwachsener geworden.“

Sie sind bekennender Rockmusik-Fan, betrieben von 1999 bis 2001 mit ihrer Sendung „MTV Sushi“ Aufklärungsarbeit in Sachen „alternativer Musik“. Im November waren Sie eine Woche lang mit Rammstein auf Tour. War das für Sie ein zweiter Schritt in die Musikszene?
„Nein, nein – das war rein privat! Ich bin seit vielen Jahren ein großer Fans von Rammstein und es war immer ein Traum von mir, mal mit auf Tour zu gehen. Der Schlagzeuger Christoph ist mein Trauzeuge, der hat mich auch immer wieder gelöchert. Jetzt hat es endlich mal geklappt und es war großartig! Die „MTV Sushi“-Zeit ist aber vorbei, dazu bin ich zu alt. Außerdem brauchen die Kids inzwischen auch keine Aufklärungsarbeit in Sachen „Rockmusik“ mehr. Obwohl die Musik inzwischen schon wieder in die Mainstream-Richtung abrutscht.“

Interview: Andreas Wendt

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