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Revanche in Pforzhem – Stadioneinweihung Brötzinger Tal

 

Am Sonnabend, dem 18. Juli 2020, wird in der Goldstadt Pforzheim nach lan-gen Umbauarbeiten die neue Fußballarena „Brötzinger Tal“ mit einem Test-spiel feierlich eingeweiht. Wo sonst der FC Bayern oder Borussia Dortmund einfliegen, wird diese ehrenvolle Aufgabe diesmal vom 1. FC Lok Leipzig übernommen. Bis heute hat man beim 1.CfR Pforzheim 1896 e.V. die „Schmach von Nürnberg“ aus dem Jahre 1906 nicht vergessen, als am 27. Mai im Finale um die Deutsche Fußballmeisterschaft der VfB Leipzig den 1. FC Pforzheim mit 2:1 bezwang. 114 Jahre nach diesem historischen Finale erfolgt nun in Pforzheim die „Revanche“.

 

Beide Vereine freuen sich auf dieses Ereignis und hoffen auf breites Interesse aller Fußballfans, sowohl in Pforzheim als auch in Leipzig. Informationen über weitere Details folgen in den nächsten Wochen und Monaten. Ein Kartenvor-verkauf wird eingerichtet und frühzeitig bekanntgegeben.

 

Nachfolgend finden Sie dazu die Mitteilung des 1.CfR Pforzheim 1896 e.V.

 

1906 feierte der 1. FC Pforzheim den Gewinn der Süddeutschen Meister-schaft. In der Gruppe Südkreis konnte sich das Team gegen den FC Stuttgar-ter Kickers, Freiburger FC, MTV 1879 München und den 1. FC 1900 Nürnberg durchsetzen.

 

Im Finale am 1. April 1906 behielt das Team schließlich auch in Mannheim gegen den 1. Hanauer FC 1893 mit 5:3 die Oberhand. Für Pforzheim spielten dabei Jäger, Stöhr, Mayer, Fink, Faas, Steudle (Capt.), Schweickert, Hiller I, Hofer, Hiller II und Rühl.

 

Der 1. FC Pforzheim traf am Sonntag, 27. Mai 1906, dann in Nürnberg auf den VfB Leipzig im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Da die Pforzheimer Spieler alle einem Beruf nachgingen und deshalb am Samstag noch einen normalen Arbeitstag zu absolvieren hatten, konnte die Anfahrt zum Stadion des 1. FC Nürnberg erst Sonntagnacht um 3:00 Uhr beginnen. Als die Spieler dann um 10:00 Uhr in Franken eintrafen waren die Strapazen der Reise und des vorhergehenden Arbeitstags nicht spurlos an ihnen vorübergegangen.

 

Der Gegner aus Leipzig hingegen plante im Vorfeld besser. Bereits am Freitag begab sich die Mannschaft auf die Reise nach Nürnberg und war so für das Spiel am Sonntag bestens ausgeruht und vorbereitet.

 

So ging Leipzig bereits nach 15 Minuten durch Edgar Blüher mit 1:0 in Führung. Gustav Stöhr konnte zwar nur 11 Zeigerumdrehungen später ausgleichen, aber fünf Minuten vor dem Ende brachte Heinrich Riso seinen VfB zum Erfolg.

 

 

 

Aber noch stand der letzte Kampf um die „Viktoria“ des DFB, gegen den hervorragenden VfB Leipzig mit seinen kampferprobten bekannten Spielern bevor. Er fand an Pfingsten 1906 auf dem Platz des damals noch nicht so berühmten 1. FC Nürnberg statt. Und nun kam eine große Panne. Während der finanzkräftigere Leipziger Club seine Mannschaft schon am vorhergehenden Freitag nach Nürnberg verfrachtet hatte, damit sie ausgeruht in den Kampf gegen konnte, mussten die Pforzheimer erst noch ihren Samstag im Geschäft arbeiten und wollten Übernachtungskosten sparen. So erfolgte die Abfahrt erst in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 3 Uhr früh und die Mannschaft kam erst gegen 10 Uhr morgens in Nürnberg an. Trotzdem so die Pforzheimer gewissermaßen aus dem tätigen Alltag in das entscheidende Spiel steigen mussten, lieferten sie den damals schon sehr spielstarken Leipziger Akademikern ein großartiges Spiel und verloren nur knapp mit 1:2, wobei Stöhr ein prächtiges Tor mit direktem Schuss erzielte. Man könnte vielleicht das Resultat als eine Folge eines Regiefehlers der Clubleitung bezeichnen, aber es war eben damals so, dass man als Amateurspieler, hinter denen kein finanzkräftiger Verein stand, die meisten Kosten selbst zu tragen hatte und deshalb versuchte, die Unkosten so nieder zu halten als es möglicherweise ging. Sei dem, wie ihm wolle, der Club hatte sei-nen Namen, wenn auch als Verlierer, in die Annalen der deutschen Fußballgeschichte eingetragen und bewiesen, dass er ein würdiger Vertreter des starken süddeutschen Fußballs war. Die Entschei-dungsschlacht war verloren, der Ruhm aber blieb.

 

Im Rahmen der Umbauarbeiten im Stadion „Brötzinger Tal“ dachte so mancher der Verant-wortlichen und der Helfer zurück an die glorreiche Zeit des Pforzheimer Fußballs, verbunden mit der Hoffnung, hier an dieser historischen Stätte auch in Zukunft wieder großartige Erfolge und herausragende Spiele erleben zu können.

 

Gerade auf das Finale 1906, das so knapp gegen den VfB Leipzig verloren ging, richtete sich immer wieder die Aufmerksamkeit. Zu tief sitzt einfach dieser Stachel des aus Pforzheimer Sicht ungleichen Kampfs um die „Viktoria“.

 

Diese Gedanken kreuzten sich mit den Überlegungen, in welchem Rahmen und mit welchem besonderen Spiel man die in den letzten Jahren umgebaute Arena im Brötzinger Tal feierlich einweihen möge. Und so entwickelte CfR-Vorstandsvorsitzender Markus Geiser den Gedan-ken, für die „Schmach von Nürnberg“ offiziell Revanche zu fordern.

 

Mit dieser Idee wandten sich die Pforzheimer an den 1. FC Lokomotive Leipzig, den offiziel-len Nachfolger des VfB Leipzig. Dort traf die außergewöhnliche Idee auf offene Ohren. Lok-Geschäftsführer Martin Mieth war sofort angetan, nicht zuletzt durch die (scherzhafte) Dro-hung Geisers, das Ergebnis von 1906 beim DFB offiziell anzufechten. Nach einigen Telefo-naten, Emails und einem Besuch in Leipzig war man sich schnell einig: Am 18. Juli 2020, 114 Jahre nach dem historischen Finale, erfolgt nun in Pforzheim die Revanche. Der 1. FC Lokomotive Leipzig wird dabei mit seiner aktuellen Regionalligamannschaft auflau-fen und auf das Oberligateam des 1. CfR Pforzheim treffen. Selbstverständlich wird bis dahin eine Kopie der „Viktoria“, der damaligen Meisterschaftstrophäe, erstellt und dem Sieger über-reicht.