Sportive LE Background

SC DHfK: Der neue James Bond heißt Janke

 

Wie groß waren die Chancen des SC DHfK Leipzig, das Bundesligaspiel gegen FRISCH AUF! Göppingen zu gewinnen, tatsächlich? Immerhin hatten die Gastgeber in der Vergangenheit den Gegner vom Stuttgarter Stadtrand erst einmal geschlagen, haben die Schwaben zwölf Nationalspieler aus Dänemark, Deutschland, Serbien, Slowenien oder Kroatien im Team, sind sie aktueller Europapokalsieger. Auf der anderen Seite musste Trainer André Haber auf die verletzten Tobias Rivesjö und Philipp Weber und obendrein Jens Vortmann verzichten.

 

Drum würden die meisten Experten den Sachen weniger Prozente errechnen. Andererseits können die körperkulturellen Handballer mit einem echten Kollektiv aufwarten. „Die Leipziger sind aggressiv, lauffreudig und giftig, sie stellen die beste 6:0-Verteidigung der ganzen Bundesliga auf die Platte“, sagte Rolf Brack. Der Mann muss es wissen. Er ist promovierter und habilitierter Sportwissenschaftler und neuer Cheftrainer der Göppinger. Denn den besonderen Spirit der Sachsen, das Zwischenmenschliche, das können Zahlen kaum erfassen.

 

Am Sonntag entwickelte sich zwischen den Vertretungen aus Leipzig und Göppingen ein intensives, messerscharfes Match. In der ersten Halbzeit konnte sich keine Mannschaft absetzen. Am Anfang legten die Gastgeber stets einen Treffer vor, doch die Gäste glichen gleich wieder aus. „Wir mussten zu viele Gegentreffer vom Kreis und einige Siebenmeter hinnehmen“, schätzte Youngster Franz Semper ein. Trotzdem konnte Maximilian Janke zum 13:11 einnetzen. „In diesem Moment hatte ich eine falsche Auszeit genommen. Ich wollte die Jungs fokussieren, auf das mögliche 14:11 gehen, doch habe nur unseren Spielfluss unterbrochen“, gab Trainer André Haber zu. Auch aus diesem Grund lagen die Göppinger zum Seitenwechsel mit 15:16 Toren vorn.

 

Allerdings besitzen die Leipziger eine weitere Stärke, die Statistiken schwer widerspiegeln, nämlich, dass die Mannschaft aus Fehlern schnell lernt. Sie rückten in der zweiten Halbzeit in der Abwehr noch enger zusammen, um Göppingen noch kleinere Lücken zu bieten. Außerdem sagte André Haber, dass sich seine Männer „Angriff für Angriff eine besondere Aktion einfallen ließen, um schließlich den Treffer zu erzwingen.“ Manchmal bei drohendem Zeitspiel im allerletzten Augenblick.

 

So wurde die Auseinandersetzung zwischen den Sachsen und den Schwaben zu einem echten Hit. Ian Fläming, der Autor der James-Bond-Geschichten, hätte keinen spannenderen Thriller schreiben können. In der Hauptrolle in der ARENA Leipzig: Maximilian Janke. „Er ist vielleicht der unterschätzteste Spieler in der Bundesliga“, sagte Brack. Der smarte Handballer bestimmte den Rhythmus des körperkulturellen Spiels und erzielte zehn sehenswerte Treffer. An seiner Seite in den weiteren Rollen: Torwart Milos Putera, Franz Semper und Andreas Rojewski im rechten Rückraum, das Publikum. Die Handballfans sind keine Komparsen, sondern ein wichtiger Bestandteil der Inszenierung und machten die Arena zum Tollhaus. Als Christian Ole Simonsen anstelle des verletzten Jens Vortmann bei einem Strafwurf in den Kasten kam, wurde der Torwart aus der eigenen Jugend mit tosendem Beifall empfangen, als hätte er diesen Siebenmeter schon gehalten.

 

Folgerichtig konnten die Göppinger den knappen Vorsprung nur noch wenige Minuten behaupten. Der dänische Jacob Bagersted hatte die Schwaben sechs Minuten nach dem Seitenwechsel letztmals in Führung geworfen (19:20). Dann trumpften Janke, Pieczkowski, Semper und Rojewski – wie bereits beschrieben – im Rückraum der Leipziger auf. 24:21, 26:23, 29:25, 31:26. Zum Schluss gewannen die Grün-Weißen mit 33:28 Toren völlig verdient. In den James-Bond- Geschichten liegt der Held des Tages in den Armen einer schönen Frau. Am Sonntag lagen sich letztendlich die Leipziger Spieler und die Handballfans in den Armen.

Spielbericht: Leutzscher Welle

 

 

Rolf Brack (Trainer FRISCH AUF! Göppingen):

 

„Das war ein verdienter Sieg für Leipzig. Unterm Strich haben wir das Spiel in der Abwehr verloren. Ich habe bereits vor dem Spiel gesagt, dass Maximilian Janke für mich der unterschätzteste Spieler der Liga ist. Das hat er heute unter Beweis gestellt. 10 Tore und keinen Fehlwurf, das ist phänomenal. Auch Pieczkowski, Semper und Rojewski haben am oberen Level gespielt. Wir hatten im 7 gegen 6 etwas zu wenig Geduld, um vielleicht auch mal einen Außen freizuspielen. Im Konterspiel waren beide Teams auf Augenhöhe. Der Hauptunterschied war die individuelle Qualität im 6:0-Verbund. Leipzig spielt in meinen Augen die giftigste und beweglichste 6:0-Deckung in der Bundesliga. Der SC DHfK steht nicht umsonst einige Plätze weiter oben in der Tabelle. Hier wurde über Jahre hinweg eine super Arbeit geleistet.“

 

André Haber (Trainer SC DHfK Leipzig):

 

„Ich bin sehr froh, dass wir das Spiel gewonnen haben. Für beide Teams war es heute ein Kraftakt über 60 Minuten. Gegen Göppingen ist es immer sehr schwer, weil es gegen diese Mannschaft darauf ankommt, viele Zweikämpfe zu gewinnen. Das ist uns heute gut gelungen. Unsere Angriffe mussten wir jedoch häufig bis zum Zeitspiel ausspielen, das ist sehr kräftezehrend. Vor der Halbzeit hatten wir eine Phase, wo es zu schnell von plus zwei auf minus zwei Tore geht. Aber in der zweiten Halbzeit haben wir dann unterschiedlichste Lösungen gefunden und man hat gesehen, wie intelligent unsere Abwehr ist. Wir haben uns bewusst entschieden, einige Dinge zuzulassen, dafür aber besser zu stehen. Im Rückraum hatten alle, egal wer auf der Platte stand, ein sehr hohes Level. Wir sind sehr froh, denn besonders zu Hause war der Sieg heute für uns sehr wichtig.“

 

Statistik:

 

SC DHfK Leipzig gegen FRISCH AU! Göppingen 33:28 (15:16)

 

Leipzig: Simonsen; Putera 1; Semper 5; Rojewski 5; Jurdzs 1; Krzikalla; Binder; Janke 10;

Pieczkowski 3; Kunkel 4; Roscheck 1; Strosack 2; Meschke; Milosevic 1

 

Göppingen: Rebmann; Probst; Kneule 3; Ritterbach; Damgaard 4; Trost; Bagersted 4; Sesum 1;

Fontaine; Schiller 8; Rentschler 2; Schöngarth 4; Kozina 2 Zeitstrafen: Leipzig 6 Min, Göppingen keine

Siebenmeter: Leipzig 2/3, Göppingen 5/5 Zuschauer: 4273 Handballfans in der

Ihre Kommentar

*