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SC DHfK Handball – Auswärtsniederlage gegen Rhein-Neckar Löwen

The Lions sleeps glücklich tonight

Die Löwen gelten in der Bundesliga und speziell in der badischen Wildnis als eminent gefährlich. Sie haben in der einheimischen Umgebung in dieser Saison schon Magdeburg, Göppingen, oder Minden förmlich zerrissen. Die nimmersatten Handballer wollen wieder »König von Deutschland« werden. Da scheinen die schnellen und grazilen, doch schmächtigeren Leoparden aus Sachsen keine Chance zu kriegen. Wirklich nicht? Die Gastgeber konnten die aktuelle Auseinandersetzung mit 24:23 (10:12) Toren nur denkbar knapp gewinnen.

Am Anfang des Spieles schien alles den erwarteten Verlauf zu nehmen. Kim Ekdahl du Rietz, Harald Reinkind und Andy Schmid hatten den hohen Favoriten mit drei Treffern in Führung geworfen. Auch Marius Steinmüller vermochte in der ersten Viertelstunde schon mehrere Treffer zu markieren. Christian Prokop, der Träner der ambitionierten Sachsen, nahm eine Auszeit, um dadurch die starke Anfangsphase des amtierenden deutschen Meisters zu stoppen und seine Männer nochmals zu fokusieren.

Das taktische Mittel wirkte. Der Aufsteiger des vergangenen Jahres konnte sich sowohl in der Defensive als auch Offensive zusehends steigern. Vorneweg Jens Vortmann. Der Torwart verbuchte in der gesamten Begegnung sensationelle 18 Paraden, er hielt unter anderem fünf Siebenmeter und brachte die vielen Nationalspieler auf der Gegenseite zur Verzweiflung. So blieben die Gäste dran. Christoph Steinert verwandelte zwei Siebenmeter zum Anschlusstor. 8:7. Nur wenige Minuten später lagen die spielerisch sehr starken Grün-Weißen dank Maximilian Janke zwei Treffer vorn. Wer dachte, dass die Zuschauer in Mannheim – nach dem Champions-League-Spektakel vor wenigen Tagen – ein besonnenes Bundesligaspiel erleben, hatte sich geschnitten. Zur Pause führten die körperkulturellen Handballer mit 10:12 Toren.

Natürlich wollten die Gastgeber den achten Heimspiel in Folge holen (nur Flensburg hatte im zurückliegenden September in Mannheim gewonnen). Sie schickten nach dem Seitenwechsel mit Gedeon Guardiola, Alexander Peterson und Andy Schmid drei weitere Nationalspieler, die eigentlich geschont werden sollten, auf die Platte. „Die Leipziger haben uns alles abverlangt!“ gab Nicolaj Bredahl Jacobsen, der Trainer des Meisterschaftsanwärters, zu. Seine Schützlinge konnten das Geschehen wieder in die westliche Richtung drehen. Guyon Valur Sigurdsson erzielte das umjubelte 21:19. Die offiziell 10164 Zuschauer machten aus der Arena ein riesengroßes Tollhaus.
Aber auch dieser Zwischenstand sollte noch keine Entscheidung sein. Obwohl der krasse Außenseiter immer wieder in Unterzahl war, obwohl Bastian Roscheck nach seiner dritten Zeitstrafe die rote Karte kassierte, obwohl ein wichtiger Treffer von Andreas Rojewski nicht zählte. Auch Chefcoach Christian Prokop haderte mit der Luft in der Halle. „Wir haben aus meiner Sicht aggressiv, doch meistens sehr sauber gespielt“, ärgerte sich CCCP. Das hinderte seine Mannschaft nicht daran, nochmals in Führung zu gehen. 21:22. Marvin Sommer hatte zwei Konter versenkt. Dann hatte Rojewski mit seinem sechsten Treffer in der vorletzten Minute zum 23:23 getroffen. Die Sachsen standen unmittelbar vor einem völlig verdienten Punktgewinn.

Pusteblume! Andy Schmid schaffte mit einem glücklichen, weil abgefälschten Fernwurf zehn Sekunden vor dem Schlusspfiff das Siegtor der Löwen. Es passte zum Spiel, dass sich danach die Lederkugel in den Maschen des Leipziger Tores verhedderte, so dass Keeper Jens Vortmann keine schnelle Mitte mehr einleiten konnte.

Statistik:
Rhein-Neckar Löwen – SC DHfK Leipzig 24:23 (10:12)
Rhein-Neckar Löwen: Appelgren, Bauer; Schmid (2/1), Sigurdsson (2), Banea Gonzalez, Steinhauser (8), Larsen (2), Reinkind (1), Gedeon Guardiola (1), Ekdahl du Rietz (3), Pekeler (3), Petersson (2), Manaskov
SC DHfK Leipzig: Vortmann; Steinert (4/3), Rojewski (6), Jurdzs (1), Krzikalla (2), Binder, Janke (4), Pieczokwski (3), Sommer (2), Roscheck, Meschke (1), Becvar, Milosevic
Schiedsrichter: Christoph Immel/Roland Klein
Zuschauer: 10.164
Strafminuten: Löwen 6 Min, Leipzig 12 Min
Siebenmeter: Löwen 6/1, Leipzig 4/3
Christian Prokop (SC DHfK Leipzig):
„Glückwunsch an Nikolaj und seinen Löwen zum glücklichen Sieg. Ich kann auf die Leistung meiner Mannschaft sehr stolz sein, bin aber auch enttäuscht, weil wir keinen Punkt mitnehmen. Wir hatten uns der schweren Aufgabe beim deutschen Meister gestellt, hatten seit Anfang an gefightet, die Gastgeber nicht wegziehen lassen und selber einen Vorsprung zur Pause. Das hatte unserem Selbstvertrauen noch einmal einen Schub gegeben. Doch da waren in der zweiten Halbzeit zwei, drei technische Fehler oder Zeitstrafen auf unserer Seite zu viel, um eine Überraschung zu schaffen, egal, wie manche Situation auf dem Spielfeld zu bewerten ist. Die Rhein-Neckar-Löwen haben die Schlussphase mit ihren vielen erfahrenen Leuten schon clever runtergespielt“
Nikolaj Jacobsen (Rhein-Neckar Löwen): „Vielen Dank für die Glückwünsche. Wir haben heute mit Glück und einem unglaublichen Publikum im Rücken zwei wichtige Punkte geholt. Die Leipziger waren nach unserem Champions-League-Aus eine wirklich sehr schwierige Aufgabe. Wir hatten gut begonnen, doch dann mehrere Chancen und Siebenmeter verschossen und einen Rückstand zur Pause zu verkraften. Drum musste meine Mannschaft an ihre körperlichen Grenzen gehen. Ich dachte beim 21:19, dass wir das Spiel in den Griff kriegen, doch lagen einen Augenblick später mit einem Tor hinten. Es ist eine sehr spannende Partie gewesen, in denen die Mannschaften an ihre Grenzen gehen mussten. Die Leipziger haben uns alles abverlangt.“

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