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SC DHfK: WahnsinnsLeistung in WahnsinnsSpiel

Erbarme, die Hesse komme! Die Handballer aus den Kasseler Bergen haben – gegenüber dem SC DHfK Leipzig – den höheren Saisonhaushalt, mehr Nationalspieler im Kader und einen Europapokalplatz im Visier. Sie wollten das Auswärtsspiel in der Arena an der Jahnallee gewinnen und dadurch ihren „durchwachsenen“ Saisonstart kompensieren. Doch die körperkulturellen Gastgeber hielten dagegen und konnten schließlich das Bundesligaspiel mit 23:20 (15:10) Toren gewinnen. Eine Wahnsinnsleistung in einem wahnsinnigen Spiel. Die grün-weißen Gastgeber erwischten gegen den äußerst robusten Gegner den besseren Start. Christoph Steinert erzielte die Führung, Benjamin Meschke schaffte von der Kreismitte das umjubelte 4:1, Lukas Binder erhöhte auf das zwischenzeitliche 9:4. Doch die Grundlage für die sensationelle Startphase war eine aggressive, sehr bewegliche Deckung mit Bastian Roscheck und Maximilian Janke im Zentrum. Chefcoach Christian Prokop sprach von einer „perfekten Verteidigung“. Auf der Gegenseite konnten weder Patrik Fahlgren noch Michael Müller, Momir Rnic oder Nenad Vuckovic (zusammen 325 Länderspiele) entscheidende Akzente setzen. Michael Roth, der erfahrene Trainer der Melsunger, nahm hintereinander zwei Auszeiten, sagte einen Satz und entfernte sich wieder von der Truppe. Welche drei Worte er äußerte? Ihr spielt Scheibenkleister? Reißt euch zusammen? Roth wollte seine sehr kurze Ansprache in der anschließenden Pressekonferenz nicht wiederholen. Der Silbermedaillengewinner von der Olympiade 1994 war wirklich sauer. „Bei machen Spielern gehen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander.“ Schließlich krönte Niklas Pieczkowski eine fantastische Halbzeit der grün-weißen Handballer mit einem Schlagwurf aus vielleicht 15 Metern in den linken Winkel. Die offiziell 3582 Zuschauer in der Arena tobten. Der krasse Außenseiter führte zum Seitenwechsel mit 15:10 Toren. Doch diese scheinbar sichere Führung schmolz nach der Pause zusehends zusammen. MT Melsungen, der Tabellenvierte der vergangenen Saison, ließ keine Wirkungstreffer zu. Johan Sjöstrand schien seinen Kasten zu vernageln. Maximilian Janke, Aivis Jurdzs und Franz Semper scheiterten am schwedischen Nationaltorhüter. „Die ersten zehn Minuten in der zweiten Halbzeit waren katastrophal!“ fasste CCCP zusammen. Der Trainer der Gastgeber versuchte mit Auszeiten oder dem Einsatz eines zusätzlichen Feldspielers seiner Mannschaft neue Impulse zu geben. Doch die Maßnahmen verpufften. 16:13, 18:16, 19:18. Die Hessen waren wieder dran. Prompt erlebten die Handballfans eine hoch spannende Schlussphase voller Emotionen. Jens Vortmann hielt einen Siebenmeter. Milos Putera, der schon in der ersten Halbzeit ein sicherer Rückhalt seiner Mannschaft war, glänzte mit weiteren tollen Paraden. Sie verhinderten, dass die Gäste das Geschehen drehten. Zwar schaffte die MT Melsungen den Ausgleich, 20:20, doch keine einzige Führung im Spiel. Als Benjamin Meschke in den letzten zwei Minuten eine umstrittene Zeitstrafe abbrummte, sicherten Niklas Pieczkowski und Lukas Binder in Unterzahl den zweiten Heimsieg in der laufenden Saison. Das abschließende 23:20 wurde ausgelassen gefeiert.

SC DHFK HANDBALL VERWALTUNG GMBH | AM SPORTFORUM 10 | 04105 LEIPZIG

Pressemitteilung 33 – Saison 2016/17 vom 08.10.2016

Statistik:

SC DHfK Leipzig gegen MT Melsungen 23:20 (15:10)

Stationen: 1:1, 5:2, 7:3, 10:4, 13:6, 15:10, 16:14, 18:17, 19:19, 23:20

SC DHfK Leipzig: Putera, Vortmann; Semper, Steinert 3, Rojewski 3/1, Jurdzs, Binder 5, Janke, Pieczkowski 7, Roscheck, Meschke 5, Becvar 1, Milosevic

MT Melsungen: Sjöstrand,Maric, Sellin 8/6, Fahlgren 1, Danner, Müller P., Boomhouwer 1, Rnic, Schneider, Allendorf, Vuckovic 5, Jaanimaa 1, Müller M. 4, Golla, Heanen

Zuschauer: 3582 Handballfans in der ARENA Leipzig

Schiedsrichter: Blümel/Loppaschewski

Siebenmeter: Leipzig 2/1, Melsungen 8/6

Zeitstrafen: Leipzig 6 Min, 4 Min

Rote Karte: Schneider (Melsungen/ 46.)

Michael Roth (MT Melsungen):

„Gratulation an Leipzig. Der Sieg ist verdient, denn wir waren im gesamten Spiel nicht einmal in Führung. Selbst nach dem zwischenzeitlichen 19:19 haben wir nicht gezeigt, was wir können. Anspruch und Wirklichkeit liegen im Moment nicht beieinander, und die Wahrheit liegt immer auf dem Platz. Einige Spieler haben nicht verstanden, dass man nach einem schlechten Saisonstart mehr machen muss. Wir haben in der ersten Halbzeit wirklich alles vermissen lassen. Unser bester Mann war mit Johan Sjöstrand ein Spieler, der fünf Monate verletzt war. Die erste Halbzeit war eine katastrophale Leistung. Man kann auswärts fast ohne Zeitstrafen auch einfach nicht gewinnen. Uns hat die Aggressivität gefehlt. Wir fahren verdient mit leeren Händen nach Hause und müssen jetzt die Zügel anziehen.

Christian Prokop (SC DHfK Leipzig):

„Danke für die Glückwünsche. Wir haben schon im letzten Heimspiel gegen den deutschen Meister eine sehr gute Leistung gezeigt. Für uns ist entscheidend, dass wir diese Leistung auch konstant abrufen. Das haben wir heute von der ersten Minute an gezeigt. Meine Mannschaft hat mannschaftsorientiert, aggressiv und clever verteidigt. In der Abwehr haben wir in der ersten Halbzeit eine perfekte Leistung abgeliefert. Dass wir es gegen die Melsunger Atzen im Angriffsspiel schwer haben werden, war vorher klar. Daher war unser Ziel, viel ins Tempospiel zu kommen. In der ersten Hälfte ist uns das super gelungen, in der zweiten Halbzeit machen wir uns jedoch das Leben unnötig schwer und geben Melsungen das Gefühl, dass hier noch was zu holen ist. Als die Partie zu kippen drohte, gehen wir mit dem siebten Feldspieler volles Risiko. Ich bin überglücklich, dass meine Männer die Nerven behalten haben und wir die zwei Punkte in Leipzig behalten.“

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