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SG LVB-Geschäftsführer Jens-Dirk Schöne im Interview

Die LVB-Handballer haben vor der Saison mindestens Platz zwei als Saisonziel ausgegeben, was bei Fans und Umfeld ein wenig für Verwunderung sorgte. Nun ist die Mannschaft zur Winterpause wie von vielen erwartet Tabellenführer, punktgleich mit der HSG Freiberg. Das volle Leistungsvermögen rief das Team jedoch nur selten ab. Im Interview zieht SG LVB-Geschäftsführer Jens-Dirk Schöne ein kritisches Fazit zum bisherigen Saisonverlauf und blickt mit einer klaren Forderung an das Team auf die Rückserie.

Hat sich seit Saisonbeginn etwas an der Saisonzielstellung geändert?

Schöne: Es kommt natürlich immer komisch an, wenn man sagt, man will Zweiter werden. Wir haben die Liga vor der Saison nicht gekannt und daher unsere Ziele vorsichtig formuliert. Der bisherige Verlauf der Saison gibt uns dabei Recht. Wir sind jetzt Erster, aber nur aufgrund der Schützenhilfe von Elbflorenz Dresden, das am letzten Wochenende gegen Freiberg gewonnen hat. So können wir nun auf dem ersten Rang überwintern. Wir sind nicht überlegener Tabellenführer, denn in dieser Liga sind viele Mannschaften auf einer Augenhöhe und jeder kann jeden schlagen. Wir sind im Plan, in dem was wir wollten und uns zugetraut hatten. Natürlich fallen fünf Minuspunkte schon negativ auf. An schlechten Tagen kann man auch gegen Mannschaften aus dem Mittelfeld verlieren, was wir leider erfahren mussten.

Nominell auf dem Papier ist die Mannschaft doch trotz alledem Top-Favorit auf die Mitteldeutsche Meisterschaft?

Wenn man alle unsere 17 Vertragsspieler betrachtet und schaut, in welchen Ligen und in welchen Teams sie vorher gespielt haben, dann ist das sicherlich so. Aber man muss auch sehen, dass wir sechs starke Stammspieler haben, doch durch zahlreiche Verletzte fehlen uns wirklich die Alternativen. Die gesetzten Akteure spielen praktisch jedes Spiel durch. Da fehlt uns ein verletzter Daniel Kunz, Philipp Grießbach oder Richard Wagner. Denn dies sind genau die Spieler, die wir gebraucht hätten, um ohne Leistungsabfall 60 Minuten durchspielen zu können.

Wenn man auf andere Teams schaut: Brauchen wir diese konstanten Leistungen, um gewinnen zu können?

Ja, definitiv. Wir sind sicherlich gut besetzt, aber nicht besser als Bad Blankenburg, Freiberg oder Elbflorenz mit vollem Kader. Man hat ja gerade am Anfang der Saison gesehen, dass Dresden Verletzungsprobleme hatte und sie mit zwei zu sechs Punkten gestartet sind. Seitdem alle wieder fit sind, verlieren sie kein einziges Spiel mehr. Von Bad Blankenburg dachten wir auch nicht, dass sie das erste Spiel gegen Staßfurt verlieren. Es gibt einfach keine Mannschaft, die fünf bis sechs Dauerverletzte ersetzen kann. Auch wir nicht.

Wenn es bei vielen Mannschaften ebenso Verletzte gibt, muss es ja doch andere Gründe geben, warum  die SG LVB verliert?

Das ist richtig. Wir haben in drei Spielen Punkte verloren: Beim 32:32 gegen Oebisfelde, beim 31:32 in Freiberg und am letzten Wochenende mit gleichem Ergebnis in Wolfen. Oebisfelde war eine körperlich sehr starke und robuste Mannschaft, die uns in Angriff und Abwehr mächtig Probleme gemacht hat. Die 32 Gegentore daheim gegen sie ist unser Saisonhöchstwert. In Freiberg gab es ein Spiel auf Augenhöhe, bei dem wir am Schluss ein paar individuelle Fehler gemacht haben. Zusätzlich haben wir deren Top-Torschützen und Spielertrainer Jiri Tancos nicht in den Griff bekommen. In Wolfen allerdings ist eine Heimmannschaft über sich heraus gewachsen. Vor allem deren Torhüter Yves Schöneboom hat eine super Leistung geboten, hat seine Mannschaft mitgerissen und uns zur Verzweiflung gebracht hat. Das verdient Respekt.

Welche Ambitionen hat das Team denn im Hinblick auf die Rückserie? Blickt man nicht trotzdem auf den ersten Tabellenplatz?

Diese Frage wird sehr oft gestellt. Wir haben das mit dem Trainerteam intern besprochen und abgestimmt. Als Geschäftsführer sage ich ganz klar: Wir planen bei Spielerverträgen und Sponsoren zweigleisig. Wir wissen, was wir für einen Etat für die dritte oder die vierte Liga brauchen. Im Personalkostenbereich wird sich das nicht groß ändern. Damit ist aber auch klar, dass wir im Falle des Aufstiegs nur wenige Verstärkungen holen könnten. Bevor wir aber überhaupt daran denken, muss die Mannschaft erst einmal in der Rückserie beweisen, dass sie sportlich in der Lage ist, in der dritten Liga zu spielen. Man sollte dabei auf jeden Fall mit einbeziehen, dass die Liga noch stärker als jetzt wird, da viele starke Teams aufgrund der Staffelzusammenlegung aus der zweiten Bundesliga absteigen.  Für unser Team gilt deswegen ganz klar: Wir müssen erst einmal die Tabellenführung halten und ausbauen. Wenn jedoch weitere Minuspunkte hinzukommen, wenn wir den Eindruck haben, dass die Mannschaften nicht in der Lage ist, den sportlichen Anforderungen einer dritten Liga gerecht zu werden – dann fällt es uns natürlich auch sehr schwer, den Aufstieg wahrzunehmen. Wir analysieren sehr objektiv und kritisch die Leistung der Mannschaft und werden, falls wir am Ende doch oben stehen sollten, entscheiden.

Schließt die Beobachtung auch das Trainerteam ein?

Wir reden ganz sachlich mit den Trainern über Entscheidungen rund ums Team und denken, dass unter anderem in Freiberg durchaus eine Trainerentscheidung falsch gefallen ist. Genau das ist es aber schlussendlich: Jeder macht seine Fehler und das kann auch passieren. Wir sehen aber ebenso, dass in den letzten drei bis vier Spielen nicht der Trainer und nicht das Umfeld die Fehler gemacht haben. Es wurden Vorgaben auf dem Feld nicht umgesetzt und wir traten nicht mit der nötigen Geschlossenheit auf.

Werden Maßnahmen werden ergriffen, um das Team noch zu stärken?

Die erste Maßnahme ist erst einmal, dass wir uns über die nächsten 14 Tage erholen müssen von der Hinrunde. Wir haben ja zum Glück bis zum 07. Januar kein Punktspiel mehr. Einige verletzte Spieler werden wieder zurück ins Training kommen. Richard Wagner hat in den letzten beiden Partien ja schon wieder mitgewirkt, bei Daniel Kunz sieht es auch ganz gut aus. Leider haben wir noch eine Sprunggelenks-Operation bei Krzysztof Zart hinzubekommen. Er wird uns zum Rückrundenauftakt fehlen. Ähnlich körperlich angeschlagen ist Sebastian Lorenz-Tietz, obwohl über seinen Einsatz immer kurzfristig entschieden wird. Für uns ist erst einmal wichtig, die Spieler soweit wieder fit zu kriegen, sodass wir gestärkt in die zweite Halbserie gehen können. Wir selbst können nur weiterhin trainieren und unser Bestes zum Beispiel bei der Videoanalyse und der Einstellung der Mannschaft geben. Aber letztendlich entscheidend ist, wie die Mannschaft auf dem Spielfeld die Vorgaben der Trainer umsetzten kann und auftritt.

Kürzlich gab es beim EHV Aue eine besondere Maßnahme. Die Spieler wollen bei Nicht-Erreichen des rettenden zehnten Platzes bis zur Winterpause freiwillig auf 15% ihres Gehaltes verzichtet. Was hältst du von solch einem Entgegenkommen?

Es würde mich schon sehr überraschen, wenn so ein Vorschlag von unserem Team kommt. Das ist keinesfalls böse gemeint, nur absolut realistisch. Von den 17 Spielern sind allein 11 Studenten, bei denen die Einnahmen aus dem Handball die Lebensgrundlage sind. Die verdienen gar nicht so viel und können, auch wenn sie wollten, nicht auf etwas verzichten. Die Jungs haben ihre Fixkosten wie Miete und Essen, die müssen bezahlt werden. Ich selbst halte auch gar nichts von solchen Maßnahmen, solange die Mannschaft willig ist und kämpft.

Gibt es strukturell etwas rund um das Team zu verbessern?

Für Verhältnisse in der vierten Liga sind wir bei der der SG LVB auf einem sehr hohen, wenn nicht gar höchstem Niveau, anzusiedeln. Hier möchte ich nur einmal die medizinische Abteilung mit Uwe Scheibner und den Chirurgen des St. Elisabeth-Krankenhauses oder die Öffentlichkeitsarbeit ansprechen. Zusätzlich haben wir seit kurzem mit Tobias Froeb einen sehr guten Konditionstrainer eingestellt. Er bringt viele frische und innovative Ideen ins Training und fordert die Jungs. Wir bezahlen die Gehälter stets pünktlich. Schöner wären natürlich bessere Trainingsbedingungen, doch daran knabbern alle Vereine in Leipzig. Dort kann nur die Stadt Leipzig etwas ändern.

Interview: Martin Glass

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